
Riz Casimir mit Poulet: Rezept, Herkunft & Kontroverse
Kaum ein Gericht spaltet die Schweizer so sehr wie Riz Casimir: Die einen schwören auf Curry, Poulet und Frucht, die anderen verdrehen bei der Kombination die Augen. Trotzdem – oder gerade deshalb – gehört das 1952 in einem Zürcher Restaurant entwickelte Gericht zu den wenigen Speisen, die wirklich jeder kennt. Was steckt hinter dem Namen, warum wurde es zum Klassiker und für wen lohnt sich das Nachkochen?
Herkunft: Schweiz · Hauptzutaten: Poulet, Reis, Früchte, Currysauce · Beliebtheit: Umstritten, oft als unbeliebt gelistet · Typische Variationen: Mit Ananas, Kokosmilch oder ohne Früchte · Top-Quellen: Betty Bossi, Swissmilk, Migusto
Kurzüberblick
- Warum der Name “Casimir” gewählt wurde
- Exakte Herkunft des Namens unklar
- Ob Curry-Rezept von London-Aufenthalt inspiriert wurde
- 1952: Erfindung bei Mövenpick Zürich (Blick)
- 1974: Aufnahme in Militärküche (Blick)
- 1976: Betty Bossi veröffentlichte Rezept für breite Masse (Blick)
- 1988: Mövenpick gab Rezept öffentlich heraus (Blick)
- Poulet-Variante hat Kalbfleisch weitgehend ersetzt
- Moderne Versionen mit Kokosmilch und frischem Obst
- Starchefs wie Caminada interpretieren das Gericht neu
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eckdaten zu Riz Casimir zusammen, wie sie in etablierten Schweizer Kochquellen dokumentiert sind.
| Kategorie | Detail | Quelle |
|---|---|---|
| Erfinderland | Schweiz | Blick |
| Schlüsselzutat 1 | Poulet | Blick |
| Schlüsselzutat 2 | Ananas/Bananen | Wikipedia |
| Sauce-Basis | Curry und Rahm | Swissmilk |
| Kalorien (ca.) | 600 kcal pro Portion | Swissmilk |
Was ist Riz Casimir?
Riz Casimir ist ein Schweizer Gericht aus Reis, geschnetzeltem Fleisch, Currysauce, Bananen, Ananas und Pfirsichstücken, garniert mit Mandeln. Das Gericht wurde 1952 von Ueli Prager und seinem Team im Mövenpick-Restaurant in Zürich entwickelt und verbindet westliche und asiatische Aromen auf ungewöhnliche Weise.
Herkunft und Beschreibung
Das Originalrezept von 1952 enthielt Kalbsgeschnetzeltes, Rahm-Currysauce, rote Peperoni, Bananen und Ananas. Der Historiker Roger Sidler bezeichnete Riz Casimir als «Nationalgericht einer Epoche» – ein Gericht, das für Konsumlust und Weltläufigkeit in der Nachkriegs-Schweiz stand. Inspiriert von einem Aufenthalt in London tüftelte Ueli Prager Reisgerichte mit Rahm-Currysauce.
Mövenpick veröffentlichte das Rezept erst 1988 öffentlich, obwohl es bereits ab 1960 von der Kochbuchautorin Elisabeth Fülscher als «Risotto Casimir» propagiert wurde. Ab 1968 veröffentlichte auch Betty Bossi das Rezept in ihren Kochbüchern und trug damit massgeblich zur Verbreitung bei.
Die Kombination aus Curry, Rahm und tropischen Früchten war in den 1950er Jahren revolutionär für die Schweizer Küche. Das Gericht steht exemplarisch für den Beginn der Globalisierung der Esskultur in der Schweiz.
Zutatenübersicht
Moderne Varianten verwenden Poulet statt Kalbfleisch, dazu Kokosmilch, Äpfel, Bananen und Basmati-Reis. Swissmilk beschreibt Riz Casimir mit 600 g Geschnetzeltem (Poulet oder Schwein), Curry, Rahm und Früchten wie Äpfel, Ananas und Bananen. Das Gericht wird traditionell mit gerösteten Mandelsplittern garniert.
Die Kombination aus Curry, Rahm und tropischen Früchten war in den 1950er Jahren revolutionär für die Schweizer Küche. Das Gericht steht exemplarisch für den Beginn der Globalisierung der Esskultur in der Schweiz.
Warum heißt es Riz Casimir?
Der Name «Casimir» klingt französisch oder orientalisch, tatsächlich handelt es sich aber um eine reine Schweizer Kreation. Trotz intensiver Recherche bleibt die genaue Herkunft des Namens unklar – eine Verbindung zu «Casmir Chicken» oder anderen internationalen Gerichten besteht nicht.
Namensherkunft
Ueli Prager gab dem Gericht den Namen, wahrscheinlich inspiriert von der Eleganz und Exotik, die das Gericht verkörpern sollte. Der Name wurde bewusst gewählt, um dem Gericht ein internationales Flair zu verleihen, obwohl es ein reines Schweizer Produkt war.
Verwechslungen mit Reis Casimir
Im Original 1952 gab es Varianten wie Riz Madhubani (mit Lamm) und Riz Colonial (mit Seeteufel), die ebenfalls unter dem Namen Casimir liefen. Diese Vielfalt zeigt, dass «Casimir» eher eine Marke als eine exakte Bezeichnung war.
Die bewusste Fremdheit des Namens war kein Zufall: Prager nutzte das internationale Flair gezielt, um das Gericht in der Nachkriegszeit als weltläufig erscheinen zu lassen.
Ist Riz Casimir eklig?
Die Bewertungen zu Riz Casimir sind stark gespalten. Das Gericht taucht regelmässig in Gastro-Rankings der unbeliebtesten Speisen auf, hat aber auch treue Fans. Die Mischung aus Curry, Rahm und süssen Früchten ist für viele ungewöhnlich, für andere genau richtig.
Kontroverse Bewertungen
Annabelle beschrieb das Gericht einst als «fremdes wie Curry, Ananas und Bananen, vereint mit Bekanntem wie Kalbfleisch und Rahm» – für die Schweiz der Nachkriegszeit sei dies «der Himmel auf Erden» gewesen. Historiker Sidler sieht darin den Ausdruck einer neuen Offenheit für internationale Einflüsse.
Die Kritiker führen an, dass die Kombination von herzhaftem Curry und süssen Früchten gewöhnungsbedürftig sei. Zudem wurde das Gericht oft mit Dosenfrüchten zubereitet, was den Geschmack nicht gerade verfeinerte.
Pro und Contra
Befürworter schätzen die kreative Verbindung verschiedener Geschmacksrichtungen und die Erinnerung an die Kindheit. Kritiker bemängeln die ungewöhnliche Kombination und die Qualität vieler Zubereitungen ausserhalb der Profiküche.
Was in den 1950er Jahren als trendy und international galt, wurde in späteren Jahrzehnten zunehmend als altmodisch empfunden. Heute erlebt das Gericht eine sanfte Renaissance durch moderne Interpretationen.
Die Geschmacksfrage bleibt subjektiv: Für die einen verkörpert Riz Casimir den Geist einer aufgeschlossenen Nachkriegsära, für die anderen eine geschmackliche Fehlentscheidung, die sich in Kantinen und Schulkantinen ewig hielt.
Ist Riz Casimir unbeliebt?
Ja – zumindest in bestimmten Kreisen. Riz Casimir erscheint regelmässig in Listen der unbeliebtesten Speisen, sowohl in der Gastronomie als auch in privaten Haushalten. Trotzdem bleibt es ein Schweizer Klassiker mit anhaltender Präsenz.
Rankings und Umfragen
In verschiedenen Umfragen und Gastro-Rankings wird Riz Casimir häufig als eines der am wenigsten geschätzten Gerichte genannt. Die Kombination aus Curry und Früchten wird oft kritisiert, ebenso wie die Qualität vieler Restaurantzubereitungen.
Die wiederholte Nennung in Unbeliebtheits-Rankings zeigt: Riz Casimir polarisiert – und gerade diese Polarisierung hält das Gericht im Gespräch.
Kulturelle Wahrnehmung
Diese Bewertungen sagen jedoch wenig über die tatsächliche Popularität aus. Das Gericht hat die Schweizer Küche über Jahrzehnte begleitet und ist für viele mit Kindheitserinnerungen verbunden. Die kulturelle Bedeutung geht weit über Geschmacksurteile hinaus.
Was braucht man für Riz Casimir?
Das Rezept für Riz Casimir mit Poulet ist unkompliziert und benötigt nur wenige Hauptzutaten. Die folgenden Angaben basieren auf dem Rezept von Swissmilk.
Zutatenliste
- 600 g Pouletgeschnetzeltes (alternativ Schwein)
- 300 g Basmati-Reis
- 2 Äpfel
- 1 Banane
- 4 Scheiben Ananas (frisch oder aus der Dose)
- 2 EL Currypulver
- 2 dl Rahm
- 2 dl Hühnerbouillon
- 1 dl Ananaswasser
- Mandelsplitter zum Garnieren
- Salz und Pfeffer
Zubereitungsschritte
- Reis nach Packungsanleitung kochen und warmhalten.
- Poulet in Streifen schneiden und in einer Pfanne mit etwas Öl goldbraun anbraten. Würzen und beiseite stellen.
- Im gleichen Topf Currypulver kurz anrösten, dann Rahm, Bouillon und Ananaswasser dazugiessen.
- Die Sauce aufkochen lassen und bei kleiner Hitze etwa 5 Minuten köcheln.
- Äpfel und Ananas in Würfel schneiden, zur Sauce geben und kurz mitgaren.
- Banane in Scheiben schneiden und zusammen mit dem Poulet unter die Sauce heben.
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Reis auf Teller verteilen, Poulet-Sauce darübergeben und mit Mandelsplittern garnieren.
Variationen mit Poulet
Moderne Varianten verwenden Kokosmilch statt Rahm für einen exotischeren Geschmack. Starchef Andreas Caminada hat eine Interpretation für GaultMillau entwickelt, die mit frischen Zutaten und einer raffinierteren Sauce arbeitet. Auch die Zugabe von Ingwer und Koriander kann das Gericht aufwerten.
Vorteile
- Schnell und einfach zubereitet
- Preiswerte Zutaten
- Kreative Geschmackskombination
- Flexible Variationen möglich
- Schweizer Klassiker mit Kultcharakter
Nachteile
- Kontroverse Geschmackskombination
- Erscheint regelmässig auf Unbeliebtheits-Rankings
- Viele schlecht zubereitete Versionen
- Kalorienreich durch Rahm
- Manche empfinden Frucht-Fleisch-Kombi als gewöhnungsbedürftig
Der Schlüssel liegt in der Qualität: Frische Zutaten und eine durchdachte Sauce verwandeln den umstrittenen Klassiker in ein Gericht, das auch Skeptiker überzeugen kann.
Stimmen zum Gericht
Mit der Publikation in «100 Wunderrezepte» von 1976 sei das Gericht endgültig in der breiten Masse angekommen.
Roger Sidler, Historiker
Fremdes wie Curry, Ananas und Bananen, vereint mit Bekanntem wie Kalbfleisch und Rahm – das war für die Schweiz der Nachkriegszeit der Himmel auf Erden.
Annabelle (Magazin)
Riz Casimir stand für Konsumlust und Weltläufigkeit.
Sidler Geschichte (Geschichtsseite)
Für alle, die das Gericht noch nie probiert haben, gibt es keinen besseren Zeitpunkt zum Ausprobieren als jetzt. Moderne Interpretationen mit frischen Zutaten und weniger Dosenware haben dem Klassiker neues Leben eingehaucht. Ob man ihn nun liebt oder hasst – Riz Casimir bleibt ein Teil der Schweizer Esskultur, der niemanden kalt lässt.
Die Frage, ob Riz Casimir mit Poulet nun eklig oder genial ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf die Zubereitung an, auf die Qualität der Zutaten und – vor allem – auf die persönliche Bereitschaft, sich auf eine ungewöhnliche Geschmackskombination einzulassen.
Verwandte Beiträge: Gigot d’Agneau Cuisson Lente – Zartes Lammkeule-Rezept für Ostern
swiss-finest.de, zimtkringel.org, annabelle.ch, little-kitchen-and-more.com, huehnerkueche.com, sidler-geschichte.ch, noplainvanillakitchen.blogspot.com, volg.ch
Ein detaillierter Überblick über Zubereitung, Ursprung und Tipps zum Riz Casimir findet sich in Zürich Magazins Rezept-Guide, der den Klassiker beleuchtet.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Zubereitung von Riz Casimir?
Die Zubereitung dauert etwa 30–40 Minuten, inklusive Kochen des Reises und Zubereitung der Sauce.
Kann man Riz Casimir vegetarisch machen?
Ja, indem man das Fleisch durch Tofu, Seitan oder einfach mehr Gemüse ersetzt. Die Sauce bleibt gleich.
Welcher Reis eignet sich für Riz Casimir?
Basmati-Reis ist ideal, da er nicht verklebt und gut mit der Sauce harmoniert. Auch Jasminreis funktioniert gut.
Ist Riz Casimir glutenfrei?
Ja, das Grundrezept ist glutenfrei. Bei Fertigprodukten und gewürzten Currysauce-Mischungen sollte man die Zutatenliste prüfen.
Wie lagert man Riz Casimir?
Riz Casimir kann im Kühlschrank 1–2 Tage aufbewahrt werden. Zum Aufwärmen eignet sich eine Pfanne oder der Mikrowelle.
Gibt es Riz Casimir mit Kalbsfleisch?
Das Originalrezept von 1952 verwendete Kalbfleisch. Diese Variante ist heute seltener, aber noch immer möglich – besonders für Fans des klassischen Geschmacks.
Warum wird Riz Casimir mit Poulet gemacht?
In den 1980er Jahren ersetzte Poulet das Kalbfleisch, da es günstiger und leichter verfügbar war. Heute ist Poulet die gebräuchlichste Variante.